Fashion

M Wie Musterfamilie

Mode wie Küche: Die Missonis machen alles auf ihre Art. Deshalb hat Sohnemann Francesco Maccapani-Missoni eine Rezeptsammlung veröffentlicht, die sich wie eine Familiengeschichte liest. Ein Clan, wie er im Buche steht.
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Gemeinsam wird bei den Missonis öfters gekocht – hier steht Mutter Angela gemein- sam mit Sohn Francesco am Herd.

Der Sommer lässt noch eine letzte Umarmung an jenem besonders warmen Septemberabend zurück, als Francesco Maccapani-Missoni und Mutter Angela Missoni zu einem privaten Dinner an den Strand des legendären „Domes Miramare“ laden. Das Hotel hat in Korfu bereits Geschichte geschrieben, so gehörte es früher den Onassis und begrüßte Gäste wie Jacky O. oder Maria Callas. Heute ist es in Besitz der Königsfamilie von Katar. Charmant an dem Setting ist nicht nur der weitläufige Strand, der die mondänen Hotelgebäude wie Perlen an einer Kette aufreiht, sondern auch der tatsächlich holistische Ansatz, hier Luxus zu leben. Nichts ist laut, alles nachhaltig, die Zutaten, die serviert werden, stammen von eigenem Boden

oder lokalen Betrieben. Einer der Gründe, warum die Missonis genau diesen Ort ausgesucht haben, um unter freiem Himmel ihr Buch zu feiern. „Bei uns wird alles bei Tisch besprochen. Einfach alles“, so der Autor. Wenn der Clan zusammen kommt, wird gekocht und alle helfen mit. Zeugnis der Cucina à la Missoni ist das umfangreich bebilderte Kochbuch, das im Assouline-Verlag erschienen ist. Ein privates Familienalbum, das die Rezepte von Francescos Großeltern Ottavio und Rosita (übrigens die Gründer des berühmten Imperiums) aufgreift und die Ergänzungen der letzten Generationen anführt.

„Ich interessiere mich eigentlich nicht für Mode, anders als alle anderen in meiner Familie“, erklärt der Autor des Buches, warum er einen anderen Weg gewählt hat, um sich beruflich zu orientieren. So ist der studierte Architekt Teilhaber bei einer Venture-Capital-Firma in Mailand, wo er beratend für Start-up-Investments agiert. Dennoch sieht man Francesco die Clan-Zugehörigkeit sofort an, denn der groß gewachsene Italiener im leuchtend grünen Zickzackhemd lebt diese Sprezzatura, die man nicht nur in der Missoni-Mode, sondern auch in deren Küche wiederfindet. „Olivenöl ist unser Geheimnis, viel Olivenöl und Knoblauch“, lacht Francesco. „Meine Mutter hat immer schon sehr viel Wert auf gesundes Essen und regionale Zutaten gelegt. Mein Vater wiederum ging immer nach dem Geschmack.“ Die Missonis gelten als starker Frauen- Clan. Demnach ist den Herren nicht zu verdenken, dass sie gerne in der Küche unter sich bleiben.

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Dinner mit Ausblick: Als Location wurde das „Domes Miramare“ auf Korfu gewählt.

Während Mama Angela die letzten Details am gedeckten Tisch kontrolliert, spielen die Streicher Radioheads „Creep“, um das Abendessen einzuleiten und eine Auswahl an den im Buch gesammelten Rezepten anzukündigen, die von Michelin-Koch Tassos Mantis zubereitet werden. Es folgt ein Missoni-Dinner, wie es schon etliche Größen im Modeuniversum genießen durften, weil man freilich gerne zu sich zum Essen einlädt. Angelas Zuhause ist für große Feierlichkeiten ausgerichtet, natürlich auch ihre Küche. Alles ist bunt, von überall zusammengetragen, alles in der Familie verankert – vom Tischtuch über die Keramik bis hin zum farbenfrohen Essen. Ähnlich warm und zugänglich ist die Atmosphäre an jenem Abend auf der griechischen Insel Korfu, wo o en quer über den Tisch gesprochen wird, wo Angela allerdings immer ein Auge für das richtige Maß hat.

Die Streicher verklingen allmählich und werden vom nächtlichen Zirpenkonzert abgelöst, als sich Angela mit ihrem zweiten Mann Bruno Ragazzi zurück- zieht. Ist es doch ihr Jahrestag. Nur wenige Wochen vor der Fashion Week zelebrieren sie jedes Jahr ihre Liebe, denn das Geschäft läuft schon, aber was wichtig ist, das ist die Familie. Am nächsten Morgen treffen sich die Gäste wie zufällig an dem Frühstücksbuffet, das ausufernder nicht sein könnte. Es wird bereits eifrig diskutiert, ganz italienisch. Angela, die sich auf Instagram @MissBrunello nennt, zeigt, dass sie nicht nur Geschäftsfrau ist, sondern in erster Linie Ehefrau, Mutter und Groß- mutter. „Ich habe gerade mit meinem Ne en gefacetimed. Ich liebe diese Möglichkeit.“ Das Unternehmen bleibt modern, bleibt auf dem Sprung, denn langsam setzen sich die beiden Töchter Margherita und Teresa mehr ein. „Margherita ist, wie ich damals auch, aufs Land gezogen und entwirft dort unsere Kinderlinie.” Vielleicht läutet das einen Umschwung im Hause Missoni ein, wo das Zepter an die nächste Generation weitergegeben wird.

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Fotos: Nick Kontostavlakis/Globe & Trotter

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