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Brautmode-Trends: „Weg mit Tüll, Stickereien und dem ganzen Drama!“

Warum man maximal sechs Monate im Voraus suchen sollte, welche Schnitte aktuell sind und welche Trends man lieber auslässt – Alexis Fernandez, CEO der Boutique Runway, traut sich mit Klischees zu brechen und gibt Tipps, wie jede Braut das richtige Hochzeitskleid findet.
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Welche Trends gibt es denn in punkto Hochzeitskleider?
Weg mit Tüll, Stickereien und diesem ganzen Drama! Ende der 1990er-Jahre gab es diesen enormen Zuwachs an osteuropäischen und asiatischen Produktionen – durch das resultierende Preisdumping wurde der Markt mit solchen Modellen geflutet! Meiner Meinung nach, hat das auch Marken wie Zuhair Murad oder Carolina Herrera sehr geschadet. Statt ein Kleid von Zuhair Murad für zehntausende Euro zu kaufen, bekommt man ein ähnliches Modell für weniger Geld beispielsweise auch im Internet.

Da gibt es aber doch große Qualitätsunterschiede!
Ganz klar – aber auf den Fotos sieht man es kaum, da hat man denselben Effekt! Und am Ende sind Hochzeits- und Red Carpet-Kleider auch Modelle, die man nur einmal anzieht und vor allem für die Fotos trägt. Für die Kamera funktioniert es, die Qualität ist natürlich nicht mehr da… Deswegen entwickelt sich auch beispielsweise die Haute Couture in die Richtung, die wir aktuell erkennen. Es geht nicht mehr um möglichst viele Stickereien, Federn und Tüll, sondern um Materialien.

Welche empfehlen sich hier in der aktuellen Brautmode?
Seide, Seidencrêpe… hochqualitative Produkte sind entscheidend, nicht wie viele Steine man drangeklebt hat! Frauen wollen heute auch nicht mehr nur Märchenprinzessin sein, sondern zeigen, dass sie Stil haben!

Keine ganz einfachen Materialien…
Stimmt! Seide ist eigentlich furchtbar undankbar… Aber es ist eines der Materialien, dass schon viele Jahrhunderte für Exklusivität steht. Seidencrêpe werden wir jetzt auch immer häufiger sehen – und zwar anstelle des ganzen Tülls! Es hat einen ähnlichen Effekt, auch von der Struktur, ist aber viel hochwertiger. Brokat wird ebenfalls ein Revival erleben… das muss allerdings modern interpretiert werden!

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Sind all diese Trends schon in Wien angekommen?
Ich habe mich erst kürzlich bei diversen Wedding-Messen umgesehen und muss leider sagen, dass es noch immer einige Tüll Modelle gibt, aber es geht immer mehr in Richtung Boho-Style: Hochwertige Stoffe, einfache Schnitte, trägerlose Korsagen - die nicht über die Hüften gehen… Alles ist eher klassisch-elegant aber mit einer Lockerheit für die eben Materialien wie Chiffon und Seide sorgen.

Welche Tendenzen gibt es in puncto Styling?
Schleier werden nicht mehr über dem Gesicht getragen, das Gesicht muss frei sein – das ist immerhin der Hauptakteur! In früheren Zeiten haben sich Bräute vielleicht mal gerne hinter einem Schleier versteckt, aber heute zeigt man gerne Gesicht.

Ein gutes Stichwort – wie passt sich das Make-Up dieser Entwicklung an?
Es gilt eigentlich in allen Bereichen: Weniger ist mehr – man investiert lieber in eine gute, gepflegte Haut anstatt sich zu überschminken. Weniger Make-up, mehr natürliche Haut! Weniger Stickereien, hochwertigere Stoffe! Weniger Körperbetontes, mehr Klasse!

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Welche Einkaufstipps gibt es denn für angehende Bräute? Wie lange im Voraus sollte man das Kleid tatsächlich kaufen?
Gar nicht so lange – der Geschmack ändert sich! Auch die Einstellung zur Veranstaltung… Was einem heute mit seiner Figur, den Temperaturen und dem Körpergefühl gefällt, dass kann einem schon in ein paar Monaten nicht mehr so zusagen. Ich rate den Leuten immer ab, schon ein Jahr im Voraus das Kleid für ein Event zu suchen – das gilt für die eigene Hochzeit genauso wie für die MET-Gala, den Opernball oder das Opening einer Fashion Week.

Welche Zeitspanne wäre denn realistischer?
Ich würde sagen: Maximal sechs Monate! Da muss man aber die Maße, die Frisur und auch das Körperfeeling behalten – sonst bist du raus! Das hat auch viel mit dem neuen Rhythmus der Modeindustrie zu tun, wir sind es mittlerweile einfach gewöhnt, dass uns alle drei Monate etwas Neues präsentiert wird. Man genießt heutzutage auch generell einfach leichter und plant nicht alles schon Jahre zuvor.
 

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Credits: Runway Vienna

Alexis Fernandez Gonzalez ist CEO des Wiener Concept Stores Runway Vienna, in dem es außergewöhnliche Avant-Garde Mode und exklusive Streetwear zu kaufen gibt. In der Kuration legt er vor allem Wert auf qualitative Stoffe und deren hochwertige Verarbeitung.

http://www.runwayvienna.at
https://www.instagram.com/runwayvienna/

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