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Paris Fashion Week: Die Trends der Herbst/Winter 2021 Kollektionen

Paris beweist auch trotz digitaler Fashion Shows, dass sie immer noch die Modehauptstadt der Welt sind.
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Louis Vuitton, Miu Miu, Lanvin AW 21

Der Modemonat für die Herbstsaison 2021 endete diese Woche nach vier Wochen Fashion Week in New York, London und Mailand mit einem ebenso großen Finale in Paris.

Trotz Pandemie lassen sich die Pariser Couture-Brands wie Givenchy, Chanel oder Hermès nicht davon abhalten gerade jetzt unseren entnervten Seelen zum monotonen Lockdown-Alltag wieder einen Hauch Eleganz und modische Daseinsfreude über unsere Bildschirme zu uns nach Hause zu bringen und ihre Ready-to-wear Trends einer neuen Welt vorzustellen. Auch hier setzen die Designer auf einen spannenden Mix aus bildschönen Ausgehlooks und praktischer Homewear und orientieren sich somit als Manifest der Gegenwart am Zahn der Zeit des globalen Geschehens. 

Wie auch ihre Vorgänger musste die Paris Fashion Week unter der Fédération de la Haute Couture et de la Mode auf ein komplett digitales Format ohne Publikum umsteigen.

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Streetstyle bei der Paris Fashion Week, Image Courtesy of Acielle / Style du Monde

Wir blicken nicht nur zurück auf die Highlights und Modetrends der Paris Fashion Week Herbst-Winter 2021, sondern schauen auch mit den Entwürfen der kommenden Saison schwungvoll in die Zukunft. Wir freuen uns auf eine Zeit, in der wir in diesen Trends des Pariser Chic wieder in die Öffentlichkeit zurückkehren.

Es war ein aufregender Monat voller neuer Trends, nachhaltiger Mode und Fashion als Ventil politischer Statements. Die vergangenen Wochen voller Herbst-Winter Trends haben uns Mut gemacht optimistisch in eine Zukunft zu schauen, die trotz weltweiter Herausforderungen neue Ansätze für eine Zeit der neuen Freiheit und allgemeiner Neuordnung findet, um irgendwann doch wieder dichtgedrängt und losgelöst unser Leben wie wir es einst kannten auch nachträglich fortzuführen.

Auf der Suche nach der Crème de la Crème der Pariser Modewoche haben wir für Sie die modischen Hingucker direkt von den Laufstegen aus Frankreichs Hauptstadt eingehend zusammengefasst: 

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Giambattista Valli AW 21; Image Courtesy of Giambattista Valli

Giambattista Valli:
In dieser Saison ließ der italienische Modedesigner Giambattista Valli seine Heimat Rom und seine Wahlheimat Paris zu einer Kollektion, die nur so voller modischer Befreiung regelrecht blühte, verschmelzen. Cocktailkleider als Ausdruck von Sehnsucht nach rauschenden Festen und neuer Freiheit entstanden aus der Einheit beider Kulturen. Die schicken französischen black-and-white Ensembles werden mit italienischem rot und gold kombiniert und lassen uns durch romantisch verträumte Blütenstickerei in die Ferne schwelgen. Es waren aber vor allem die floralen Stickereien, die beide Städte auf einer der romantischsten Art und Weise zueinander brachten und den Glanz und Glamour Italiens widerspiegelten, während sich die Leichtigkeit der Silhouetten wie in Paris anfühlten. Giambattista Valli transportiert den italienischen Flair von selbstbewussten Italienerinnen nach Paris, wo er schon davon träumt seine ganz leichten und superkurzen Kleider, aber auch die kleinen Bouclé-Kostüme und Hosenanzüge an den Pariser Grand Dames zu sehen. 

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Schiaparelli AW 21; Image Courtesy of Schiaparelli

Schiaparelli:
Tabubrüche, Surrealismus, Risikobereitschaft, das Unerwartete und ein spielerisches Vorgehen sind der Schlüssel zur Schiaparelli-DNA, und wenn es darum geht, das Erbe eines solch legendären Hauses anzugehen, beweist Avantgardist und Creative Director Daniel Roseberry ein weiteres Mal, dass er der richtige dafür ist. Für Autumn-Winter 2021 lässt er sich erneut von der Darstellung von Körperteilen als Rüstungen, dem für Schiaparelli typischen Vorhängeschloss und seiner Affinität, all das zu vergolden, inspirieren. Die Silhouetten bleiben dabei weiterhin so stark und kraftvoll, und ausgesprochen weiblich. Plakative Broschen, fragmentierte Rüstungen und kunstvolle Ohrringe ergänzen auch diese Saison ein Potpourri aus überspitzten Mänteln mit geformten Lederbrüsten und Zweiteiler mit allerhand aufgesetzten Zierbroschen von goldgegossenen Ohren, Augen, Nasen und Lippen in weiterhin geraden Schnitten.

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Acne Studios AW 21, Image Courtesy of Acne Studios

Acne Studios:
Creative Director Jonny Johansson verbrachte den Lockdown in seinem Landhaus in Schweden. Dort hat er eine Art pastorale Flucht aus der Realität für Acne Studios AW21 entworfen. Diese Kollektion ist eine Traumlandschaft, die mit sanften Pastellfarben beginnt, bevor sie zu monochromatischer Klarheit erwacht. Die Farbpalette liest sich wie eine Reise von kühlen Frühlingstagen in gestrickten Pastelltönen zu schweren Trenchcoats, Mänteln und hochgeknöpften Kleidern. Johansson erklärte, er entwerfe seine Kollektionen auch mit Blick auf die Zukunft. Sein etwas strenger Blick retrospektiv auf die Realität, der gegen Ende der Kollektion zum Vorschein kam, war eine Ode an die Kontraste der weißen oder schwarzen Kleidung, die von uns zu Ritualen in unserem Lebenszyklus getragen werden. Voluminöse und dennoch formvollendete Silhouetten, weiche und abgenutzte Stoffe, und kontrastierende Farbmomente in eleganter Erlesenheit spiegeln die Zeit wie wir sie gerade erleben besonders wieder. Diese Kollektion ist eine visuelle Evolution, die sich von einem Traumbild in eine erwachte Realität bewegt.

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Jil Sander AW 21, Image Courtesy of Jil Sander

Jil Sander:
Sie ist das Paradigma des Minimalismus; Die Marke wurde entwickelt, um schlanke, unkomplizierte, maßgeschneiderte Teile oft in Marine-, Schwarz-, Weiß- und neutralen Tönen anzubieten. Für den Herbst 2021 beschlossen die Designer Lucie und Luke Meier jedoch, üppige Drucke in die Kollektion aufzunehmen. Sie möchten, dass sich dadurch ihre Träger*innen stark und mächtig fühlen. Innerhalb des dennoch stets puristischen Rahmen der Marke integrieren sie diese Saison grafische Muster. Diese Saison kamen zu sanften Lila- und Beigetönen ein sattes gelb in Chevron-Mustern dazu und so Freude und gute Laune verbreiten. Knitwear ist bei Jil Sander das formbarste und vielseitigste Mittel, um dieses Gefühl von herbstlicher Leichtigkeit zu erzeugen. Von Mänteln und Röcken bis zu handgesponnenen Fransen-Kleidern bereitet uns das Duo hervorragend auf eine modisch sehr spannende AW21 Kollektion vor. 

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Marine Serre AW 21, Image Courtesy of Marine Serre

Marine Serre:
Wie für viele von war 2020 für Marine Serre ein Jahr der Umstrukturierung und Neuausrichtung. Sie hat sich seitdem noch einmal umorientiert und ihre Marke neu definiert. Das Ergebnis dieser Selbstbeobachtung? Eine dreiteilige Präsentation mit dem treffenden Titel „Core", die aus einem Dokumentarfilm, einem entsprechenden Buch und ihrer Kollektion für die Herbst-Winter 2021 Saison besteht. Alle drei lassen die Zuschauer in Marine Serres „ökofuturistische“ Welt blicken und zeigen, wie sie kontinuierlich nachhaltige Mode entwürft.
Ihr Ass im Ärmel sind diese Saison Midikleider aus wiederverwendeten Seidenschals, Patchwork-Jacken aus recycelten Materialien und natürlich ihre legendären Halbmond-Bodys. Marine Serre ist eine Meisterin darin, recycelten Stoffen neues Leben einzuhauchen und sie so zu gestalten, dass sie für immer in unseren Kleiderschränken bleiben.

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Lanvin AW 21, Image Courtesy of Lanvin

Lanvin:
Nach einem Jahr Lockdown und einem Jahr Jogginghose kann Lanvin-Creative Director Bruno Sialelli es nicht sein lassen gerade jetzt eine Kollektion der Extraklasse zu entwerfen. Er stellt sich diese Saison die Frage, was er und seine Kunden anziehen würden, wenn sie ein “rich girl” wären, so wie es Gwen Stefani schon Anfang der 2000er Jahre gesungen hat. Wohl wissend, dass viele seiner Kunden sich dieser Kategorie einreihen lassen, hat er für Lanvin eine Kollektion voller Abendkleider mit Federn, Leoprint, Pastellfarben, Juwelen, Stickereien und allen dazugehörigen Accessoires schwungvoll inszeniert. Diese Kollektion lässt Modeliebhaber ausmalen, was wir in den tosenden 2020er tragen werden, wenn Shopping, Partys und Glamour wieder in vollem Gange sind. Er hat die Herbst-Winter 2021 Kollektion für Lanvin in dem fabelhaften Pariser Shangri-La Hotel in einer Art Musikvideo zu Gwen Stefanis Kulthit schaulaufen lassen und sich so etwas rebellisch eine Truppe aufgeweckter junger Models in das Hotel bestellt, sich mit ihnen verkleidet und ausgedehnt gefeiert - ein Szenario, das wir gar nicht früh genug wieder wahr werden lassen können. 

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Chloé AW 21; Image Courtesy of Chloé

Chloé:
Die Designer, die Chloé geleitet haben, lesen sich wie ein Who-is-Who der Modeikonen - Phoebe Philo, Stella McCartney und Karl Lagerfeld, um nur ein Paar Ausgewähltr zu nennen. Mit der Herbst-Winter 2021 Kollektion schließt sich ihnen Gabriela Hearst als neue Chloé-Creative Direktorin an und einwirft eine Kollektion ganz im Stil Chloés bourgeoiser Bohème, die weitaus verspielter und spannender ist, als die AW21 Kollektion ihrer eigenen Marke.
Eine Reihe von handgesponnenen Ponchos, die sowohl im Archiv der Marke als auch im uruguayischen Erbe der neuen Designerin zu finden sind, und gestrickte Maxikleider eröffneten die publikumslose Show. Trenchcoats und maßgeschneiderte Jacken aus Leder und Wolle runden diese lässige Herangehensweise an Daywear stilvoll ab.
Da soll niemand sagen, dass man zu Hause nicht auch bequem und elegant auf bessere Zeiten warten kann. Wir können es zumindest kaum erwarten zu sehen, wohin dieses Gefühl des Fernwehs Gabriela Hearst als nächstes führt.

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Louis Vuitton AW 21, Image Courtesy of Louis Vuitton

Louis Vuitton:
Ein Jahr nachdem das Louvre seine Türen für die Öffentlichkeit schließen musste, diente das meistbesuchte Museum der Welt für Louis Vuitton dennoch als Schauplatz ihrer Herbst-Winter 2021 Kollektion. Creative Director Nicolas Ghesquière zeigte seine AW21 Kollektion in den leeren Galerien Michelangelo und Daru. Zur Inspiration fand er die Meisterwerke der griechischen, etruskischen und römischen Antike des Louvre.
Nicolas Ghesquière ging daraufhin eine sehr fruchtbare Partnerschaft mit Fornasetti ein, dem Mailänder Interior-Atelier, das vom berühmten Designer Piero Fornasetti im 20. Jahrhundert gegründet wurde und dafür bekannt ist, Möbel und Gegenstände mit surrealistischen Zeichnungen von Gebäuden, Schlössern, Schlüsseln und antiken Statuen zu bedrucken. Nicolas Ghesquière fand in den umfassenden Archiven Fornasettis die antiken Motive, die er als ein Feuerwerk an Silhouetten, Farben und Prints auf Kleider, Mäntel und sogar Taschen übertragen ließ um so einen Zusammenschnitt aus Zukunft und antiker Vergangenheit zu kreieren. Blousonjacken, Kokonumhänge und knieumspielende Röcke wurden mit Keilabsatzstiefeln und einer liederlich, ungenierten Attitüde kombiniert.

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Isabel Marant AW 21, Image Courtesy of Isabel Marant

Isabel Marant:
Wir müssen kein Wahrsager sein, um in Zeiten des Umbruchs den Go-to-Modus der Modeindustrie vorherzusagen: Krise schafft Hoffnung, Hoffnung schafft Eskapismus und Eskapismus bringt uns fast immer Futurismus. Besonders Isabel Marant betont, dass diese neuen Umstände den Designern mehr Zeit gibt, um neue Herangehensweisen zu erforschen und es nicht immer nur einen einzigen Trend gibt, sondern die vielen unterschiedlichen Ansätze an die Mode die Vielfalt dieser Industrie fördern. Sie verdeutlichte ihren Pariser Futurismus in einer Herbst-Winter 2021 Kollektion, die sich wie Sci-Fi in der Kühnheit der 80er Jahre anfühlte. Jacken mit hohen Schulterpolstern, hohe Taillengürtel und Wickelkleider aus Leder und Vinyl lassen ihre AW21 Kollektion im Kontrast zu geraden Silhouetten ziemlich nostalgisch wirken. 
Marants futuristische Folklore- und Raumschiff-Cowboys lassen uns sowohl in längst vergangenen Zeiten des 20. Jahrhunderts schwelgen, aber auch eine Zukunft vorhersehen, die von der Kombination aus digitalen Ansätzen in Produktion und ihrer Präsentation geprägt ist.

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Hermès AW 21; Image Courtesy of Hermès

Hermès:
Hermès mag zwar simpel sein, aber auf keinen Fall minimalistisch. Es ist der typisch gute Geschmack in eleganten Silhouetten und das Auge für Details und Schneiderkunst, das das französische Traditionshaus so beliebt macht. Leder, Wolle, Seide und Lammfell zeigen, dass ein haptisches Erlebnis bei Hermès an erster Stelle steht. Creative Director Nadège Vanhée-Cybulski präsentiert die Herbst-Winter 2021 Kollektion für Hermès in einem Livestream-Happening zwischen New York, Paris und Shanghai; von dort aus werden abwechselnd Tanzperformances und im Höhepunkt die AW21 Kollektion aus Paris digital gestreamt. Die Palette reicht von neutralen Farben zu strahlendem rubinrot, grün und Orangetönen über Prints auf cropped Jacken.
Langärmlige, hochgeschlossene day-to-day-Kleider, minutiös plissierte Röcke und passende Pullover wurden mit high Boots und Ledermänteln texturell sehr spannend für die kommende Herbst-Winter 2021 Saison kombiniert. 

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Miu Miu AW 21; Image Courtesy of Miu Miu

Miu Miu:
Die Paris Fashion Week hat sich besonders diese Saison als virtueller Urlaub aufgetan. Während wir vielleicht noch eine Weile nirgendwo hinreißen können, lässt uns Miuccia Prada mit ihrer Prada-Zweitlinie Miu Miu stellvertretend in den verträumten Ferienort Cortina d'Ampezzo im Herzen der Dolomiten reisen.
Inmitten der majestätischen Landschaft schneebedeckter Berge zeigte die Show eine Reihe hoffnungsvoller Partykleider und schicker Ski-Chalet-Outwear. Neben übergroßen Ski-Onesies in puderigen Pastelltönen, Yeti-Kunstpelzen und kristallverzierten Mäntel, die auch abseits der Pisten großartig aussehen würden, sind gestrickte Sturmhauben mit abnehmbaren, Maskeneinsätzen das unverzichtbare Accessoire dieser Kollektion. Dieser klare Mix aus Indoor- und Outdoor-Dressing zwischen alpinen Dessous, Slip-Kleidern und Skibekleidung lässt uns schon jetzt an unseren nächsten Skiurlaub denken. 
Auch wenn Miuccia Prada es jetzt offiziell satt hat, Ready-to-wear als Lockdown-Dressing zu entwerfen, finden wir sind unter Miu Mius Herbst-Winter 2021 Kollektion einige brauchbare Teile für diejenigen dabei, die auch nach dem Lockdown nicht bereit sind, diesen Komfort hinter sich zu lassen. 

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Dior AW 21; Image Courtesy of Dior

Christian Dior:
Wenn Shows mit großem Publikum verboten sind, muss eben die Location groß sein. Am internationalen Frauentag zeigte das Couture-Modehaus Dior ihre neue Herbst-Winter 2021 Kollektion in keiner anderen Ambiente, als dem Spiegelsaal im Schloss Versailles. Unter dem Titel “Disturbing Beauty” beauftragte Diors Creative Direktorin Maria Grazia Chiuri die italienische Künstlerin Silvia Giambrone eine Installation, die die Opulenz, den Mythos und das Märchen Versailles von vergänglicher Schönheit zu erschaffen. Sie platzierte gewachste Plastiken mit Stacheln vor die königlichen Spiegel, um die Spiegelung der Models stilvoll auszublenden. Dort führten neben Diors Models von Sharon Eyal choreografierte Darsteller leidenschaftliche Dialoge mit den verdeckten Spiegeln. Als Inspiration für diesen kreativen Ansatz diente die gefährlich verführende Aufopferung der Charaktere aus Märchen, die sich einzig um ihr Aussehen drehen - Aschenputtel, Die Schöne und das Biest und Dornröschen. In einer finster unheilvoll wirkenden Atmosphäre ließ Dior die AW21 Entwürfe mit Motiven aus einer unschuldigen Kindheit wie weiße Kragen und Englische Stickerei im Kontrast zu alles andere als lieblichen blutroten Tüllkleidern unglücklicher Prinzessinnen über die langen Korridore des Schlosses schreiten. Maria Grazia Chiuris Herbst-Winter 2021 Kollektion für Dior ist ein zum Nachdenken anregendes Beispiel für unsere Beziehung zu Schönheit, Exzess und unserem eigenen Image.

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Givenchy AW 21; Image Courtesy of Givenchy

Givenchy:
Wie genau unser Leben in der zweiten Jahreshälfte aussehen wird, ist derzeit auch noch für die Modedesigner unklar. Können wir endlich wieder unsere geliebten Schätze aus dem Kleiderschrank holen oder müssen wir immer noch in Homewear zu Hause auf ein Ende des Lockdowns warten? Givenchy-Creative Director Matthew Williams ist für beide Fälle vorbereitet und hat eine Herbst-Winter 2021 Kollektion aus aparten Looks von hochdekorierten Schlauchkleidern und schmalen Anzügen, die gerade nur so darauf warten ausgeführt zu werden, und kurz-geschnittene Puffjacken und XXL Fake Fur Mäntel für diejenigen, die sich während der Lockdown-Spaziergänge einfach nur warm halten wollen, entworfen.
Grafische Silhouetten durch ein Zusammenspiel aus voluminösen Jacken und Mänteln in gerader Schnittführung verstärken dieses Zusammentreffen dieser zwei Welten besonders. Entgegen einer Zeit von Social-Distancing lag der Fokus deshalb auf hyper-taktilen Stofftexturen und malerisch skulpturellen Accessoires, die beim digitalen Konsumenten das Verlangen auslösen sollten, die Kollektion unbedingt in der Hand halten zu müssen. Die AW21 Kollektion ist ein wahres Sci-Fi-Inferno, das mit einem Lockdown-geschuldetem Outdoor-Touch und der überspitzten Freizügigkeit unsere Aufmerksamkeit auf einen gerade jetzt passend eloquenten Kontrast von hart und weich in Paris lenkt.

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Chanel AW 21; Image Courtesy of Chanel

Chanel:
Statt Show lieferte Virginie Viard für Chanel ein Video, indem die Models in großen Après-Ski Mänteln und dicken Moon-Boots durch einen schwarzen Tannenwald stapften. Statt wie gewohnt im Pariser Grand Palais zeigte sie ihre Coco Neige Kollektion für den Herbst-Winter 2021 im Nachtclub Chez Castel, den schon Karl Lagerfeld für seine besonders heimische Atmosphäre wertschätzte.
Für diese Kollektion ließ sie sich von dem legendären Stil der verstorbenen Chanel-Muse Stella Tennant inspirieren, die vor allem seit den späten 90er Jahren Chanels Parisan Chic wunderbar verkörperte. Dafür vereinte sie die Ambiente von Skiurlauben mit Pariser Retro-Chic und adaptiert diese Kontraste in robusten Tweed und fragilen Chiffon. Voller “ski spirit” entwarf sie für Chanel Norwegische Pullover, gesteppte Skihosen und voluminöse Puffjacken, die sie mit für Chanel typisch kurzen Tweedjäckchen und Miniröcken kombiniert.

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Dries van Noten AW 21, Image Courtesy of Dries van Noten

Dries van Noten:
Wie kreativ man mit unserem neuen Kleidungs- und Kaufverhalten umgehen kann, beweist der Belgische Designer Dries Van Noten. 
Für Dries Van Noten versammelten sich 47 Tänzer und Models auf der Bühne des DeSingel-Theaters in Antwerpen. Seine Herbst-Winter 2021 Kollektion, die in kunstvollen aber launischen Bildern und einem Modeclip gezeigt wird, studiert die gesamte Bandbreite menschlicher Emotionen von Glück über Wut, Verwirrung, Logik und Euphorie. Dabei synchronisieren sich das Dramatische, Übertriebene, Diskrete und Schüchterne des Menschen. Die Kollektion ist somit die modische Verarbeitung einer lang angestauten Wut, Frustration, Verwirrung, Sehnsucht und Trennung, die auf einer abgedunkelten Antwerpener Bühne nun in subkultureller Vielfalt abgetanzt werden.
In diesen Bildern und in diesen Kleidern steckt soviel Emotion, dass die Kollektion einem Grenzraum zwischen vaudevillianischem Glamour und belgischen Underground Clubs zu schweben scheint. Lebendige, color-blockig Looks treffen auf glitzernde Kleider mit Marabu-Besatz und exquisite Schneiderkunst der alten Schule. Dries Van Noten entwirft für den Herbst-Winter 2021 Kleider für ein Leben, das menschliche Emotionen ausdrückt und sich mit Leichtigkeit in unserer Welt bewegt.

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