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It-Piece Korsett: Eine neue Ära für einen Klassiker der Damenmode

In den Resort- und Herbstkollektionen von Thom Browne, Dolce & Gabbana und Philosophy di Lorenzo Serafini findet sich das Korsett. Auch Designer der neuen Generation Christopher John Rogers und Dion Lee interpretieren es neu.
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Fotos: The Met

„Goodbye Loungewear” ist das neue Motto in Sachen Styling. Anstatt Oversize Sweatshirts und Logo T-Shirts sind es Korsetts, die nun unter Blazer und über Hemden getragen werden. Nach Monaten der Gemütlichkeit sehnt man sich nach Stabilität, vor allem im Kleiderschrank. 

In den Herbst- und Resortkollektionen 2021 findet sich eine Masse an neuen Interpretationen des Kleidungsstücks, die signalisieren, dass sich die Welt auch modetechnisch wieder im Aufschwung befindet. Die Kreationen einiger Designer, alteingesessen wie brandneu, laden dazu ein, das Outfit etwas aufzupeppen und wieder mehr Figur zu zeigen.

 

Der US-Amerikanische Designer Thom Browne, bekannte für höchst innovative Schnitttechniken und präziseste Ausarbeitung, zeigt das Korsett im exzentrischen Office Look in seiner 2022 Resort Collection. Über einem weißen Hemd mit Krawatte wird das graue Korsett mit weißen Verstärkungen in Kombination mit einem in Falten gelegten Rock in A-Linie getragen. Da sich Layering durch die komplette Kollektion zieht, dürfen Hose unter dem Rock und Blazer mit gepolsterten Schultern nicht fehlen. Dazu noch spitze Budapester mit Absatz über Wollsocken.

Foto: Thom Browne

 

 

 

Lorenzo Serafini bei Philosophy, 1984 von Alberta Ferretti gegründet, bringt moderne Romantik. In der Pre-Fall 2021 Kollektion findet sich eine lockere Version des Korsetts in einem Schottenmuster aus hellblau, grün, rot und gelb. Von der Hüfte aus ausgestellt wird das Korsett mit elisabethanischem Kragen, schwarzen Reiterstiefeln und fluoreszierender Hose gepaart.

Foto: Philosophy di Lorenzo Serafini

 

Dolce & Gabbanas Ready-to-Wear Herbstkollektion 2021 ist eine Hommage an die 90er-Jahre voller High-Tech Materialien und kaleidoskopischen Farben. Dies spiegelt sich auch in einem der vielen Korsetts der Saison wieder. Schimmerndes Silber und voluminöse Silhouette treffen auf schwarze Schnürelemente. Der Rest ist futuristisch monochrome gehalten mit langen Handschuhen, chunky Sneaker und einer Hose mit computer-graphics Print.

Foto: Dolce & Gabbana

Das Korsett passte sich stets dem zur Zeit vorherrschenden Ideal des weiblichen Körpers an. Damals unter dem Namen Mieder bekannt, wurde es während des 16. und 18. Jahrhundert mit Walknochen verstärkt. Muster wurden sorgfältig in Seide eingewoben, sodass der Übergang zwischen Unterwäsche und Kleidung nahtlos war. Der Oberkörper sollte kegelförmig geformt werden, eine schmale Hüfte mit gehobenem Dekolltée war das Ziel.

Im Laufe der Jahre kamen Verstärkungsmittel wie Horn oder Stahlspiralen hinzu wie auch die Möglichkeit, das Korsett nicht nur hinten, sondern auch vorne zu schnüren. Anfang des 20. Jahrhunderts verlor es an Popularität. Das Korsett als Feind der emanzipierten Frau war nicht nur mit Unterdrückung und antiquierten,gesellschaftlichen Normen, sondern auch mit gesundheitlichen Risiken verbunden. In der Mode fand es sein Ende durch die Designs von Paul Poiret und Gabrielle „Coco” Chanel

Seit 1950 befindet sich das Korsett jedoch wieder im Aufschwung. Mit der Entwicklung in Richtung Lingerie wurden die Materialien komfortabler und elastischer, die Brust nur mehr mit einem feinen Drahtbügel unterstützt. Ein Bustier zu tragen war nun persönliche Entscheidung und fand wenige Jahre später den Weg zurück in die Modewelt.  

In 1983 feierte Jean Paul Gaultier das Korsett als Zeichen des Female Empowerments in seiner Dadaiste Kollektion. Sieben Jahre später wurde das kegelförmige BH-Design von Madonna während ihrer Blond Ambition Tour getragen und ist seitdem Kult. Für Vivienne Westwood zählt das Korsett zu einem ihrer Schlüsselelemente. Besonders in der Café Society Kollektion (1994) in Zusammenarbeit mit dem österreichischen Designer und Ehemann Andreas Kronthaler.

 

Vor allem junge Designer der neuen Generation scheinen Gefallen am Klassiker der Damenmode zu finden. Der New Yorker Christopher John Rogers, dessen gleichnamige Marke von Former First Lady Michelle Obama und Schauspielerin Zendaya getragen wird, zeigt gerne Mut zur Farbe und Volumen. Dies kommt bei dem Korsett seiner Collection 008 perfekt zum Ausdruck. Aus Baumwoll-Moiré in schwarz mit Nähten in Regenbogenfarben wird es zu einer weiten Hose aus Seiden-Faillé in Längsstreifen im Stil des Colour Blockings kombiniert.

Foto: Christopher John Rogers

 

Der australische Designer Dion Lee ist mittlerweile bekannt für seine modernen Interpretationen des Korsetts. Die sinnlichen, aber trotzdem strukturierten Designs werden von Weltstars wie Ariana Grande in ihrem Musikvideo zur Single „Positions” getragen. In der Ready-to-Wear Kollektion für den diesjährigen Herbst findet sich eine Kreation aus Denim mit Knopfleisten, die jeweils seitlich am Körper entlang laufen und dadurch die Figur zusätzlich betonen. Die dazugehörigen flared Jeans werden vorne am Bund geschnürt, eine kleine Anspielung auf Korsettschnürung.

Foto: Dion Lee

In seiner jahrhundertelangen Geschichte erlebte das Korsett schon die eine oder andere Fashion Renaissance. In 2021 wurde noch einmal zahlreich an Designs nachgelegt, und so feiert das It-Piece ein weiteres Comeback. Egal ob angelehnt an vergangene Epochen, als Feier des weiblichen Körpers oder als Zeichen der wiedergewonnen Lust zum Styling, das Korsett kommt niemals aus der Mode.

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