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Diane Venet: Die Wegbereiterin des Künstlerschmuck

Sammlerin Diane Venet zeigtexklusiv ihr Privatarchiv und enthüllt dabei meisterliche Schmuckkollektionen, die den verheißungsvollen Titel "Blue Chip Bling" verdienen.
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Diane Venet mit einem Teil ihrer hochkarätigen Schmuckkunst- Sammlung.

Wenn man an die größten Künstler des 20. Jahrhunderts denkt, kommen einem viele Namen in den Sinn: Pablo Picasso, Jeff Koons, Louise Bourgeois, Alexander Calder, Fernand Leger, Man Ray, Damien Hirst, Pol Bury, Keith Haring, Yayoi Kusama, Anish Kapoor … Es sind die großen Meister der amerikanischen abstrakten Kunst, die renommiertesten Mitglieder der Young British Artists, die Legenden des Kubismus, die Pioniere des Surrealismus, die Vertreter des Dadaismus, die Größen der virtuellen Kunst und die Begründer des Futurismus. Sie alle haben ihr eigenes bildnerisches Vokabular erfunden, welches in Gemälden, Skulpturen und Fotografen zur Geltung kommt.

Diese Namen stehen einmal mehr im Mittelpunkt eines Pariser Salons - doch nur für einen Tag und auch nicht in der Form, die man vielleicht erwarten würde. In einer bescheidenen Kiste werden 200 Stücke von mehreren Dutzend führenden Künstlern bald ihr vorübergehendes Zuhause verlassen (normalerweise werden sie zur sicheren Lagerung in einer Bank aufbewahrt), um nach Luxemburg und dann weiter nach Monaco zu reisen, wo sie in Ausstellungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die Kunstwerke, von denen hier die Rede ist, sind selten größer als zwölf Zentimeter und können sich um Finger schlingen, von Dekolletees strahlen oder Handgelenke umfassen. Sie gehören nämlich zu einer eigenen Kategorie von Objekten: Künstlerschmuck, eine geheimnisvolle und spezifische Art von Kunstwerken, für die Diane Venet im Laufe der Jahre zur Wegbereiterin geworden ist.

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Heute liegen die Modelle auf Seidenpapier oder lehnen an Kartons in Venets Wohnung, wo ihre Formen auf geschmackvolle und teils chaotische Weise miteinander kokettieren: Eine Goldbrosche von Georges Braque, geformt von Heger de Löwenfeld, steht neben einer Uhr, die Andy Warhol mit Movado entworfen hat. Von Man Ray signierte Ohrringe – dieselben, die Catherine Deneuve trug – kugeln neben den Kupferspiralen einer von Alexander Calder entworfenen Halskette. Auf dem Boden platziert, spiegeln sich die lebhaften Schattierungen von Giacomo Ballas Emaillen, eine Fernand-Leger-Brosche oder die Palette von Primärfarben, die auf einem Anhänger von Roy Lichtenstein hervorstechen. Ein paar Zentimeter weiter erinnert das ungleichmäßige Profil eines goldenen Armbands des Bildhauers César an die Windungen eines Aluminiumarmbands von John Chamberlain, während die hypnotischen Linien eines Armbands aus Silber, Emaille und Perlmutt, signiert von Victor Vasarely, einen unerwarteten, aber fruchtbaren Dialog mit einer goldenen Halskette von Vassilakis Takis beginnt, die direkt auf dem Körper seiner Freundin geformt wurde.

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Weiters abgelichtet: „Untitled“ von Frank Stella (2008), „Collona“ von Arnaldo Pomodoro (1968) und „Ligne indéterminée“ von Bernar Venet (1985) (im Uhrzeigersinn).
„Ich kaufe, aber ich verkaufe nichts“, sagt sie überzeugt.

Mit ihren Stücken verlässt auch Venet das Haus und die Werkstatt in Le Muy, Frankreich: ein beeindruckendes Anwesen in Var in der Provence-Alpes-Côte d’Azur, das sie mit ihrem Mann, dem Bildhauer Bernar Venet, in eine Stiftung verwandelt hat, die sich der Minimalund Konzeptkunst widmet. Ihre Sammlung von Künstlerschmuck erzählt die Geschichte von Venets Leben, von ihren Romanzen und Freundschaften, ihren Ansprüchen und ihrem Eigensinn. Bei der Betrachtung eines Stückes unterscheidet Venet klar zwischen dem Künstler und dem Goldschmied oder Handwerker, wie virtuos er auch sein mag. „Ich will damit nicht sagen, dass ich das Juwelierhandwerk nicht mag, aber das ist ein anderes Thema“, sagt sie. „Ich, für meinen Teil, sammle Schmuck, der von Künstlern erdacht wurde. Es spielt keine Rolle, welche Technik verwendet wird oder welchen Wert die Materialien haben, was zählt, ist die Reflexion über die Veränderung des Maßstabs. Das sind seltene, sensible und anspruchsvolle Stücke. Die meisten sind Unikate oder haben bloß ein Dutzend Auflagen.“

Intime Kunstwerke
Trotz der angesehenen Namen ihrer Urheber, ist deren Schmuck weitgehend unbekannt. „Das liegt daran, dass diese Objekte meist nicht für die Öffentlichkeit, sondern für geliebte Menschen bestimmt waren“, verrät Venet. „André Derain dachte sich Modelle von Tieren, Kretern und Masken aus, um sie seiner Frau zu schenken. Sol LeWitt schuf Ringe für seine Töchter. Alexander Calder entwarf seinen Schmuck für seine Frau Louisa. Harry Bertoia fertigte Schmuck für seine Freunde. Daraus resultierte, dass die Stücke oft im Privatbesitz der Familien blieben.“ So brauchte es Leidenschaft und Entschlossenheit, um diese einzigartigen Objekte von Künstlern des zwanzigsten Jahrhunderts zusammenzuführen. Oft übernimmt Diane Venet bereitwillig die Rolle der Muse und Vermittlerin, angefangen bei ihrem Mann.

„Wir haben uns im Juli 1985 kennengelernt“, erzählt sie. „Zu Weihnachten schenkte er mir einen Ring, einen Silberbarren, den er um zwei Finger gewickelt hatte, halb Skulptur, halb Schmuckstück. Später schenkte er mir ein Design von Arman, mit dem er eng befreundet war, und andere von César und Sergio Fontana. Der Grundstein war gelegt.“ Der Leitsatz der Sammlerin vereint sowohl die Intimität als auch die Pracht ihrer enormen Sammlung. „Ich kaufe, aber ich verkaufe nichts“, sagt sie überzeugt. „Meine Sammlung ist keine Geldanlage. Wenn ich Künstlerschmuck trage, dann trage ich zuallererst jemanden, den ich liebe. Es ist die Geschichte der Kunst, die geteilt werden soll.“ Venets Kollektion erinnert uns daran, dass Kunst die beste Begleiterin ist.

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