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Rethink Fashion – wie man als nachhaltige Modemarke erfolgreich wird

Neben Digitalisierung ist das Schlagwort der Modebranche der letzten zwei Jahre eindeutig Nachhaltigkeit. Die Anzahl nachhaltiger Modemarken hat enorm zugenommen und man hat das Gefühl, dass sich heutzutage fast jede Marke als nachhaltig bezeichnet. Wie ist es also gerade für kleinere Marken möglich sich abzuheben und zu einer globalen Erfolgsgeschichte zu werden?
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Foto: Courtesy of Stella McCartney

Tatsache ist, dass es mehr als nur den Einsatz natürlicher Stoffe erfordert, um eine echte nachhaltige Marke zu werden, da der Weg zur Herstellung nachhaltiger Mode inzwischen deutlich weitreichender geworden ist. Einhaltung ethischer Standards in den Produktionsstätten, Verwendung umweltfreundlicher Materialien, Herstellung von Produkten aus hochwertigen oder recycelten Stoffen in zeitlosem Design, um nur einige Ansätzen zu nennnen. Die Herausforderung scheint daher, die richtige Produkt- und Kommunikationstrategie für die Vielzahl dieser Anforderungen zu entwickeln.

 

 

Tell your story. Transparenz und Authentizität sind die Zukunft.

Starke Marken inspirieren zum Handeln. Die richtige, nachhaltige Strategie wird weiterhin ein Unterscheidungsmerkmal in den Köpfen der Käufer sein, die zunehmend nach Möglichkeiten suchen, ihr Shoppingverhalten mit dem Einfluss den sie auf die Gesellschaft haben können, zu kombinieren. Dies zeigt sich auch darin, dass sich die Online-Recherche nach „nachhaltiger Mode“ zwischen 2016 und 2019 verdreifacht hat. Käufer im Alter zwischen 14 und 39 Jahren kauften in den letzten zwei Jahren durchschnittlich 45% mehr nachhaltige Mode und nehmen somit 2,5-mal schneller nachhaltige und recycelte Mode an, als andere Altersgruppen.

Diese Altersgruppe, bestehend aus den sogenannten Gen-Z und Millennials, priorisieren eindeutig Marken, deren Mission und Zweck sie teilen. Unternehmensattribute wie umweltfreundliche, ethische Praktiken sowie frei von Tierversuchen sind eines der Hauptkriterien für die langfristige Bindung an eine Marke. Mit anderen Worten, Unternehmen, die diese Praktiken anwenden und kommunizieren, können konsequent Reputations- und Gewinnvorteile für ihre Marke erzielen.

Jedoch ist es wichtig, dass Marken diese Attribute nicht nur behaupten, sondern auch nachprüfen können, indem sie diese auf authentische, persönliche und transparente Weise leben, was letztendlich Vertrauen beim Käufer schafft. Und je mehr Vertrauen entsteht, desto wahrscheinlicher wird es, dass Käufer davon nachhaltig inspiriert und motiviert werden. Ein Unternehmen, das Nachhaltigkeit und soziale Themen in seinen Markenkern einbezieht, kann Menschen tatsächlich dazu motivieren, umweltfreundlichere und nachhaltigere Produkte zu kaufen. Klare Etiketten und Zertifizierungen für Produkte, aus denen hervorgeht, dass sie auf nachhaltige Weise hergestellt wurden, sowie eine klare Kommunikation über die Vorteile und den Beitrag, die man als Kunde beim Kauf des Produkts leisten kann, sind laut einer kürzlich durchgeführten Umfrage unter Gen-Z-Shoppern der größte Anreiz und die größte Motivation, nachhaltiger zu kaufen.

Das heißt, neben der transparenten Kommunikation einer nachhaltigen Markengeschichte, ist es genauso wichtig, mit international anerkannten Zertifizierungen zu arbeiten, die beispielsweise von Oeko-Tex oder Fair Trade ausgestellt werden. Diese Zertifizierungen und Audits müssen zum neuen Standard für nachhaltige Marken werden, die das Ziel verfolgen, weltweit erfolgreich zu sein. Denn mehr als die Hälfte der Branchenakteure planen bis 2025 mindestens 50% ihres Sortiments aus nachhaltigen Materialien herzustellen, weshalb es gerade für kleinere Marken umso wichtiger ist, sich zu differenzieren und sich von Marken zu distanzieren, die behaupten nachhaltig zu sein.

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Foto: Inditex

Glaubwürdigkeit und Authentizität werden die Käufer überzeugen, oder können Sie sich vorstellen, dass jeder Fast-Fashion-Händler eines Tages wirklich nachhaltig ist? Mit ziemlicher Sicherheit nicht. Schließlich scheint insbesondere das Fast Fashion Konzept genau das Gegenteil von Nachhaltigkeit zu sein, dennoch arbeitet fast jeder Fast Fashion Retailer an Initiativen im Bereich Nachhaltigkeit, um den Kunden auf den ersten Blick zu überzeugen. Zum Beispiel führen einige Einzelhandelsgiganten Recyclingprogramme ein, auch selbst wenn Kleidungsstücke von Einzelhändlern und Marken im Laden abgeholt werden, um eine Entsorgung auf Mülldeponien zu vermeiden, gibt es weiterhin jedoch nicht ausreichend Möglichkeiten, Kleidung in dem für die aktuellen Produktionmengen erforderlichen Umfang zu recyceln.

Beyond Sneakers.

VEJA ist eine solche Marke, die ihren Weg von einer nachhaltigen Nischenmarke zu einem globalen Superstar gefunden hat. Nicht nur Emma Watson, sondern auch berühmte Persönlichkeiten wie Meghan Markle und Reese Witherspoon sind ein Fan dieser Marke.

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Foto: WhoWhatWear

Ihre Philosophie und DNA geht über das Entwerfen eines coolen, minimalistischen und zeitlosen Lifestyle-Sneakers hinaus. Die Marke setzt sich für eine transparente, ethische Produktion in Brasilien ein und verwendet umweltfreundliche, sozialbewusste Methoden, um Schuhe herzustellen, bei denen sich Käufer gut fühlen können. Kurz gesagt, ein Sneaker, der Menschen mit Respekt behandelt und unter würdigen Bedingungen in direkter Absprache mit Verbänden und Herstellern hergestellt wird.

Die authentische und transparente Kommunikation der Marke über ihren Einfluss, aber auch ihre Grenzen, um die Modebranche nachhaltiger zu gestalten, ist sicherlich außergewöhnlich und einzigartig und führte zu einem schnell wachsenden, neuen und loyalen Kundenstamm, der sich mit der Marke identifiziert und ihr treu ist.

Dieses Beispiel zeigt, dass das Wort „Nachhaltigkeit“ allein nicht mehr ausreicht, um eine starke Marke aufzubauen. Nachhaltigkeit sollte sich ganzheitlich vom Produkt bis zur richtigen Kommunikation integriert und gelebt und nachgewiesen werden, sodass langfristig ein signifikanter Markenwert und Erfolg entsteht.

 

Über die Autorin:

Sabrina Gildehaus ist Modeexpertin und Fachfrau aus Berlin, die jetzt in Kiew in der Ukraine lebt.
Sie ist Gründerin der Modeberatung Gildehaus. Ihre Aufgabe ist es, Modemarken zu unterstützen und zu entwickeln und eine Gemeinschaft von Modeexperten zu schaffen.

Sie verfügt über mehr als 10 Jahre Berufserfahrung in der Modebranche. Zuvor arbeitete sie mit Tom Tailor, Joop! und Zalando SE zusammen. 

https://gildehaus.com.ua/

https://www.instagram.com/sabrina.gildehaus/

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