Art & Culture

Refik Anadol: Wie er Datenkunst zum fesselnden Erlebnis formt

Die König Galerie zieht mit ihrer neuen Ausstellung Machine Hallucinations: Nature Dreams täglich hunderte Menschen in ihren Bann. Wie schafft es der Künstler, den oft eher statischen Galeriebesuch in ein eindrucksstarkes Erlebnis umzuwandeln?
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Foto: Roman März

Wer sich einmal den hypnotisierenden, dynamischen Werken des Künstlers Refik Anadol hingegeben hat, kann seine Augen nur schwer wieder abwenden. Der türkische Designer beschäftigt sich in seinen Arbeiten bereits seit 2008 mit der Frage, was es bedeutet, im Zeitalter von Künstlichen Intelligenzen Mensch zu sein. Er bedient sich bei der Erstellung seiner Kunstwerke nicht an greifbaren Hilfsmitteln, wie Pinsel und Farbe, sondern datengesteuerten maschinellen Lernalgorithmen.

“Malerei bedient sich Pigmenten und der Vorstellungskraft des menschlichen Bewusstseins. Als Medienkünstler (..) verwende ich Daten als Pigmente. Dann ist meine Malerei der "Denkpinsel", den ich in das maschinelle Bewusstsein tunke und damit male.”, sinniert Anadol über sein Konzept in einem Interview mit Monopol Magazin. 

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Foto: Roman März

Machine Hallucinations: Nature Dreams entstand aus Millionen von fotografischen Naturaufnahmen

Die Ausstellung Machine Hallucinations: Nature Dreams wurde speziell für die König Galerie als Intervention entwickelt. Es ist Anadols zweite große Einzelausstellung in Deutschland. Vor zwei Jahren präsentierte er seine Installation Latent Being und kehrt nun nach Berlin zurück, um die Ergebnisse seiner ästhetischen Forschung an der Schnittstelle von menschlichem Bewusstsein, Umweltdaten und maschineller Intelligenz auszustellen. 

Die König Galerie zeigt insgesamt drei Projekte des Künstlers, welche auf umfangreiche fotografische Datensätze zurückgreifen. Die Ausstellung wird im Untergeschoss von einer Serie von Datengemälden eröffnet, welche die BetrachterInnen gleich zu Beginn in ihren Bann ziehen. Das Herzstück der Ausstellung bildet die 20m2 große Datenskulptur Nature Dreams im oberen Stockwerk der Galerie.

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Foto: Roman März

Eine weite, leere Fläche vor der Installation lädt die BesucherInnen zum Verweilen ein, während computergenerierte Naturpigmente in ständiger Bewegung über den Bildschirm wandern und sie mit ihrer rhythmischen Dynamik in ihren Bann ziehen. Den Schluss der Ausstellung bildet die Installation Winds Of Berlin, eine Live-Projektion auf den Turm des Gebäudes, die auf Grundlage von Wetterdaten der Stadt erstellt wird.

Um diese fesselnden Werke entstehen zu lassen, sammelte sein Team Daten aus digitalen Archiven und öffentlich zugänglichen Quellen und verarbeitete Millionen von fotografischen Naturaufnahmen anhand von maschinellen Lernens.

“Unser Studio erforscht digitale Pigmentierung und Licht mit Hilfe von strömungsbasierten Algorithmen und verwendet dabei Datensätze aus der Natur. Hierbei setzen wir die innovativsten Methoden ein, die KI-Medienkünstlern zur Verfügung stehen.“
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Foto: Roman März

Dynamische Kunst, die sich an unseren Medienkonsum anpasst?

Maschinelle Halluzinationen: Nature Dreams faszinierte nicht nur sein analoges Publikum in kürzester Zeit, die Ausstellung ging auch auf Social-Media-Plattformen wie Instagram und TikTok viral. Doch was ist so faszinierend an diesen dynamischen Datenkunstwerken?

Da sich die Pigmente in einem unbestimmten harmonischen Rhythmus ständig neu anordnen, entstehen immer wieder neue Farbkonstellationen und Muster. Die BetrachterInnen erfahren ein Gefühl von Ruhe, während sie gleichzeitig ihre Augen kaum abwenden können und sich fragen, welche Form als nächstes entsteht. Die Pigmente dehnen sich aus, verschmelzen miteinander und rollen in einer nicht enden wollenden Wellenbewegung über den Bildschirm.

Vielleicht spricht es uns gerade deshalb an, da es unser Bedürfnis nach einem ständigen Zustrom von Reizen befriedigt. Die Werke schaffen es während des Rundgangs immer wieder die Aufmerksamkeit der BetrachterInnen für längere Zeit zu fesseln - genau wie die sozialen Netzwerke es tun, auf denen die Ausstellung so beliebt ist.

Falls Sie sich selbst von seiner magnetischen Anziehungskraft überzeugen wollen, können Sie seine Werke noch bis zum 17. Dezember in der König Galerie in Berlin bewundern.

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