Art & Culture

Querdenker: Interview mit Alexis Fernandez Gonzalez

Kritisch hinterfragt Alexis Fernandez Gonzalez die Paradigmen der Mode. Den Begriff „nachhaltig“ sieht der Besitzer des Concept-Stores Runway oft missbräuchlich verwendet.
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Fotos: Runway Vienna, Rawpixels

Die Umstellung auf ein nachhaltigeres System ist eine der größten Herausforderungen der Branche. Ihre Prognose: Kann Mode denn jemals wirklich nachhaltig werden?

Meiner Meinung nach kann Mode niemals zu 100 Prozent nachhaltig sein, da der Begriff im täglichen Gebrauch aus der richtigen Bedeutung herausgerissen wird und oft missbräuchlich zum Einsatz kommt. Ein Kleidungsstück besteht aus vielen Einzelteilen – um wirklich die Nachhaltigkeit zu garantieren, müsste man jedes einzeln überprüfen und zusätzlich die Arbeitskonditionen kontrollieren.

Welche Impulse möchten Sie hier selbst setzen?

Bewusst regionale Produkte einzukaufen ist ein wichtiger Schritt und einer der wenigen Wege, als Konsument ein Produkt aus transparenter Erzeugung zu bekommen. Dabei muss dem Konsumenten aber bewusst sein, dass nachhaltige Produkte aus lokalen Produktionen auch teurer sind. Man darf also nicht dieselben Preise wie bei internationalen Modeketten erwarten.

Was würden Sie sich wiederum vom Endkunden wünschen?

Erstens mehr Bewusstsein seitens der Kunden, was ihre Forderung an den Modemarkt ist, und zweitens eine reflektierte Auseinandersetzung: So kann etwa ein Pelzmantel, der in der Familie vererbt und vielleicht umgearbeitet wird, deutlich nachhaltiger sein als ein Fake Fur aus nicht abbaubaren Kunstfasern, der schon in der Herstellung eine enorme Belastung für die Umwelt darstellt und nach einer bis zwei Saisonen im Müll landet. Weiters müssen wir uns der Tatsache stellen, dass nicht alles für jeden ist und sich einige die nachhaltigen Produkte einfach nicht leisten können.

Die Neugestaltung Ihres Geschäftslokals in der Wiener Neustiftgasse hat auch einen Sortimentswechsel mit sich gebracht ...

Der Trend entwickelt sich seit Jahren dahin, dass die Kunden nicht nur das Design im Kleiderschrank im Auge behalten, sondern auch das gesamte Interior ihrer Wohnung gestalten wollen. Dahingehend wurde das Konzept angepasst.

Welche neuen Labels und Designer erwarten die Kunden?

In puncto Mode: viele tolle lokale Designer wie In or Near, Kalissi und Vandalsky. An Interior-Marken führen wir neuerdings Pietboon, Lucie Kaas, Depot und beispielsweise Augarten.

Die Förderung junger Talente wie etwa Katharina Schlegl mit ihrer Couture-Linie KMOJE zählt von Beginn an zu Ihren Steckenpferden – wie schwierig ist es für junge Labels, nachhaltig zu produzieren?

Sehr schwierig! Es ist vor allem eine Kostenfrage, das schlägt sich auch im Verkaufspreis nieder. Hier ist natürlich der Endkunde in seinen Anforderungen an uns als Vertreiber ebenso gefragt.

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