Art

Exklusiv: Thaddaeus Ropac im Interview über Irving Penn

Kaum jemand hat das Genre der (Mode-)Fotografie so nachhaltig geprägt wie Irving Penn – die Galerie Thaddaeus Ropac beleuchtet sein Werk von einer bislang weniger bekannten Seite und rückt mit der neuesten Ausstellung seine Stillleben in den Fokus.
Reading time 4 minutes

Von Le Corbusier bis Marcel Duchamp – in seinen siebzig Schaffensjahren hat Fotogra­fenlegende Irving Penn unzählige Prominente abgelichtet. Unvergessen bleiben auch seine Modeproduktionen für das Magazin „Vogue“. Letztere haben zweifellos den Grundstein für seinen Ruhm gelegt.
Klarheit, Eleganz, Perfektion und makellose Schönheit: Sein typischer Stil von ästhetischer Schlichtheit, die stets das Model in den Vordergrund stellt, ist auch bei seinen Stillleben auf den ersten Blick zu erkennen. Gerade jene am Anfang seines beruflichen Werdegangs um 1943 tragen seine markante Handschrift und stehen im Zentrum der neuen Ausstellung „Still Life“ die ab 08. Juni in der Galerie Thaddaeus Ropac in Salzburg zu sehen ist. L’Officiel bat den renommierten Galeristen zum Gespräch über das Werk der „stillen Ikone“.

Was fasziniert Sie ganz persönlich an den Arbeiten von Irving Penn?
Wir interessieren uns als Galerie für Fotografen, die die Kunstgeschichte beeinflusst und verändert haben. Irving Penn war einer dieser Wegbereiter. Sein Werk fasziniert mich, weil er seine Fotos wie ein Maler komponiert und alles seinen formalen Vorstellungen unterwirft. Daher sind seine Künstlerportraits, etwa von Marcel Duchamp oder Pablo Picasso, aber auch seine eigenwilligen Stillleben, so einzigartig und herausragend. Die Komposition im eigentlichen Begriff ist das, was sein Werk ausmacht. Ihm gelang es, ein Stillleben mit einer Mischung aus Geheimnis und Spiel genauso anziehend zu inszenieren wie ein Portrait oder einen Akt.
Was macht (Mode-)Fotographie zur Kunst?
Irving Penn ist eine Ausnahmeerscheinung. Mit seinen Auftragsarbeiten für die amerikanische Vogue wurde er berühmt und hat die Modefotografie der Nachkriegszeit geprägt. Interessanter als die des gefragten Modefotografen finde ich seine Arbeiten, mit denen er die Grenze zur Kunst überschreitet. Denn Penn hat seine eigenen, oft ungewöhnlichen Motive gewählt und über lange Zeiträume an wichtigen Serien wie den Small Trades, den Stillleben und den Akten gearbeitet, die dann später zu Ausstellungen in großen Museen führten. Penn versuchte unermüdlich, die kreativen Möglichkeiten der Fotografie zu erweitern. Dabei hat er von der akribischen Komposition des Bildes bis hin zum eigenhändigen Abzug alle kreativen Etappen kontrolliert. Wie kaum ein anderer Kunstfotograf hat er mit speziellen Platindrucktechniken experimentiert, um seinen Werken eine unverwechselbare Textur, beinahe eine Aura zu geben.

1559935978775702 stillleben spilled cream von irving penn the irving penn foundation
Stillleben „Spilled Cream“ von Irving Penn © The Irving Penn Foundation

Was muss ein solches Foto mitbringen, um die Mode und die Zeit zu überdauern?


Kunst muss überraschen, sie muss dem, was bisher gemacht wurde, etwas hinzufügen und in diesem Maße innovativ sein. Dies gilt für die Kunstfotografie wie für jedes andere Kunstwerk.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit der Irving Penn Foundation?
Wir arbeiten seit 2017 eng mit der Irving Penn Foundation zusammen. Sie haben eine höchst professionelle und sorgfältige Organisation mit einem großen Archiv und Kunsthistoriker, die sich mit dem Werk Penns auseinandersetzen. Diese Expertise schätzen wir sehr. Irving Penn war wichtig, dass jedes seiner Werke, das über die Foundation verkauft wird, ein Originalabzug ist, der von ihm selber gemacht, numeriert, datiert und signiert wurde. Es gibt keine späteren Neuabzüge.


Wie geht man ganz generell mit dem Erbe eines Künstlers um?
Das ist ein großes Thema. Wir vertreten insgesamt zwölf Nachlässe und obwohl jeder Fall spezifisch anders ist, geht es immer um das Vermächtnis eines Künstlers.
Dafür braucht es eine Foundation, die das Werk kunsthistorisch aufarbeitet und eine Galerie, die nicht nur das Werk kommerziell betreut, sondern auch durch sorgfältig kuratierte Ausstellungen für eine entsprechende Öffentlichkeit sorgt. Es geht um die Erhaltung des Werkes, die inhaltliche Diskussion und um den Markt, der versorgt und kontrolliert werden muss.

1559935909133983 stillleben cigarette no. 52 von irving penn the irving penn foundation
Stillleben „Cigarette No. 52” von Irving Penn © The Irving Penn Foundation

Die Ausstellung „Still Life“ widmet sich ganz den faszinierenden Stillleben des Fotografen Irving Penn und ist ab dem 8. Juni in der Galerie Thaddaeus Ropac in Salzburg zu sehen. Mehr über das Schaffen des Künstlers gibt es ebenfalls in der kommenden Ausgabe von L’Officiel Austria, die ab 11.06 erhältlich ist.

www.ropac.net
https://www.instagram.com/ThaddaeusRopac/
https://irvingpenn.org/
https://www.instagram.com/the.irving.penn.foundation/?hl=en

1559935943212260 stillleben new york still life von irving penn the irving penn foundation
Stillleben „New York Still Life“ von Irving Penn © The Irving Penn Foundation

Ähnliche Beiträge

Vorgeschlagene Artikel