Art & Culture

Es werde Licht: Wie die Stadt Unna zum Zentrum der Lichtkunst wurde

Das Zentrum für internationale Lichtkunst (ZfIL) in Unna (Nordrhein-Westfalen) feiert sein 20-jähriges Jubiläum! Seit seiner Gründung im Jahre 2001 wird die 3.000 m2 große Fläche des ehemaligen Kellers der Lindenbrauerei regelmäßig mit internationaler Lichtkunst bespielt. Inzwischen teilt sich die Ausstellungsfläche des Museums in eine hochkarätige Dauerausstellung mit eigener Sammlung und Räume für Wechselausstellungen.
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Olivier Ratsi: Spectrum. Computer, LED, Holz 212 x 256 x 180 cm. Ortsspezifische Installation. Hersteller: Crossed Lab. © Olivier Ratsi

Weltweit ist das ZfIL das erste und einzige Museum, das sich ausschließlich der Präsentation von Lichtkunst widmet. Von Beginn an versammelte man hier wegweisende, internationale Beiträge, dabei werden erstaunliche Ausstellungswelten geschaffen. Und so auch bei der neuesten Ausstellung!

Der Licht-Parcours „Dutch (De)Light“ lädt zu einer Entdeckungsreise durch die Innenstadt ein, die den bzw. die BesucherIn auf die Suche nach Lichtkunst schickt. 

Angelegt als abendlicher Stadtspaziergang, führt der Licht-Parcours zu 10 verschiedenen Orten in Unnas Innenstadt. Die Kunstwerke überraschen den Besucher an unerwarteten Ecken. Die Stadt als Spielplatz für künstlerische Interventions, die kleinen Gassen und Unterführungen umgestalten.

Erdacht von den niederländischen Gastkuratoren Loes Diephuis und John Prop, zeigen zehn niederländische Künstler und Künstlerinnen ihre Arbeiten: u. a. Nicky Assmann, Tamar Frank, Femke Schaap, Joris Strijbos, Philip Vermeulen sowie Peter Vink.  

Drei raumgreifende Lichtkunst-Installationen erobern das Museum und erschaffen unterschiedlichste Erlebnisräume. Alle drei Arbeiten eint, dass sie jeweils den Raum grundlegend verwandeln. So können die Besucher beim Durchschreiten der Lichtwelten sinnliche Erfahrungen machen, die sie Zeit und Ort vergessen lässt. 

 

Adela Andea: Primordial Garden . Flex-Neon, CCF light, plexiglass, foam. Exhibition view, Art Palm Beach, Palm Beach, FL, USA, 2014. © Adela Andea

Die Künstlerin Adela Andea (US) ist bekannt für ihre ungewöhnlichen, technoiden Leuchtskulpturen. Mit der Installation „Chaos Incarnate“ kreiert Andea sechs Wochen lang vor Ort einen Raum voller psychedelisch bunter Leuchtkörper. Sie bilden unregelmäßige und mäandernde Strukturen, die sich über die alten Steinwände und den Boden ergießen, unablässig kreuzen und verwirren. Der Besucher wird vom schrill leuchtenden Lichtchaos in den Bann gezogen. Der Energie von „Chaos Incarnate“ kann man sich dementsprechend nur schwer entziehen. 

 

Adela Andea: Lux Lumens and Candelas. LED-Licht, Plexiglas, Fresnel-Linsen. Ausstellungsansicht, Women and Their Work, Austin, TX, USA, 2014. © Adela Andea

Auch die Installation "Spectrum (Frame Version)" von Olivier Ratsi (FR) spielt mit dem gesamten Farbspektrum des Regenbogens und konfrontiert den Besucher. 20 LED-Rahmen wurden dafür mit mathematischer Präzision hintereinander positioniert und scheinen im Raum geradezu zu schweben. Dabei ändert sich die Farbe jedes Rahmens ändert sich langsam von Magenta zu Violett. Pulsierend in einem Auf und Ab, vergleichbar mit dem menschlichen Atem oder dem Wellenschlag am Strand, nähert sich die Lichtkomposition dem Betrachter. Eine Klangkulisse verstärkt die Sinneserfahrung und Interaktion. Kontinuierlich verschieben sich die räumlichen Perspektiven.

Olivier Ratsi: Frame Perspective. LED, Holz, Software, 8 Audio-Kanäle. 30 x 2,4 x 30m, Hersteller: Crossed Lab. © Olivier Ratsi

Das dritte Highlight der Ausstellung ist die audiovisuelle Gemeinschaftsarbeit „Plane Scape“ der vier Künstler Wolf Bittner (DE), Lyndsey Housden (UK), Yoko Seyama (JP) und Jeroen Uyttendaele (BE). Besonders ist, dass die Installation bereits zum 10-jährigen Jubiläum des Museums ausgestellt wurde. Das einmalige Gemeinschaftsprojekt der vier Künstler begeisterte die Besucher nachhaltig. So sah Jaspers den Anlass dieses spektakuläre Werk nochmals nach Unna zu holen. „Plane Scape“ ist ein begehbarer Wald aus tausenden weißen Gummibändern, der aus vertikalen Linien ein labyrinthisches Raster formt. Auf die Bänder werden Bilder einer sich bewegenden, abstrakten Landschaft projiziert, die von einer Sechs-Kanal-Ton-Komposition begleitet werden. Die Umgebung ändert sich stetig und der Betrachter verliert inmitten der Licht- und Soundströme die Orientierung. 

Plane Scape: Plane Scape, 2012. Foto: Frank Vinken. © Plane Scape

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