Art & Culture

Museales-Monument: Louvre Abu Dhabi

Pracht und Prestige: Die schillernde Hauptstadt der Emirate entwickelt sich mehr und mehr zur Drehscheibe des internationalen Kunstgeschehen . Ein Lokalaugenschein i n dessen Vorzeigeprojekt, dem Louvre Abu Dhabi , und ein Ausblick auf eine (kultur - )reiche Zukunft.
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Prachtbau: 2017 wurde der Louvre Abu Dhabi eröffnet. Geplant wurde er von dem französischen Stararchitekten Jean Nouvel.

Es wird geklotzt und nicht gekleckert – wer einmal dem florierenden Emirat am Persischen Golf und seiner gleichnamigen Hauptstadt Abu Dhabi einen Besuch abgestattet hat, der weiß, dass Superlative nicht ausreichen um der teils auf den vorgelagerten Insel, teils auf dem Festland gelegenen Metropole gerecht zu werden. Wo in den 1960er noch mehrheitlich öde Wüste zu finden war, treibt nunmehr neben Wirtschaft und Tourismus auch die Kunst neue Knospen. Letzterem ist es geschuldet, dass die Kunst- und Kulturszene hier ein neues, prunkvolles Zuhause gefunden hat. Wer von einem Aufblühen spricht, behilft sich dabei zweifellos mit charmanten Untertreibungen, denn wie üblich, werden keine halben Sachen gemacht. Paradebeispiel und ein klares Indiz für die Ernsthaftigkeit des Vorhabens ist dabei ohne Frage das 2017 eröffnet Louvre Abu Dhabi, das in Kooperation mit dem Pariser Pendant entstanden ist und nunmehr auf der Museumsinsel Saadiyat thront.  

Palast für die Kunst

Über eine zehnspurige Autobahn geht die zwanzig minütige Reise auf eben jenes Eiland, das man als Mekka für Kultur auserkoren hat und auf dem der französische Stararchitekt Jean Nouvel der Kunst, dem Glanz des Emirats und zu guter Letzt auch sich selbst ein Denkmal von imposanten Ausmaßen erschaffen hat. 55 Quadergebäude mit gesamt 6.400 Quadratmeter beherbergen über 600 Exponate, die zur Hälfte aus der eigenen Sammlung des Museums stammen.  „Der Louvre Abu Dhabi verkörpert im wahrsten Sinne des Wortes ein außergewöhnliches Programm: Er soll das zum Ausdruck bringen, was universell gültig ist. Seine Architektur macht den neuen Louvre zu einem Ort des Zusammentreffens und der Wechselwirkung von Himmel, Meereshorizont und Wüste“, so der Architekt. Alleine die so filigran wirkende Dachkonstruktion aus 7850 Metallsternen wiegt mit rund 7500 Tonnen beinahe so viel, wie der Eiffelturm. Bei ihrem Bau kam übrigens auch Know-How aus Österreich zum Einsatz, denn die heimische Stahlbaufirma Waagner-Biro war bei der aufwendigen Konstruktion beteiligt. „Dom und Kuppelgewölbe prägen den Raum im Bewusstsein von Zeit und Augenblick durch ein atmosphärisches Licht, das seine ureigene Spiritualität hat“, meint Nouvel zu der Krönung seiner Vision. 

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Abwechslungsreiches Programm: Aktuell steht als Sonderausstellung „Furusiyya: Die Kunst des Rittertums zwischen Ost und West“ auf dem Programm, gefolgt von „Charlie Chaplin: Als Kunst und Kino aufeinander trafen“. Neben Wechselaustellungen locken Publikumsmagneten wie die Neuerwerbung „Salvator Mundi“ von Leonardo da Vinci.

Wertschätze und -Schöpfung

Die genauen Kosten für das Prestigeprojekt sind unklar – Medien spekulieren, dass sich Bau-, Lizenzen und Werke auf gut und gerne 1,5 Milliarden Euro addieren dürften. Damit allerdings noch nicht genug, denn Insider sprechen von einem jährlichen Ankaufsetat von 40 Millionen Euro. Nur um hier einen Realitätsvergleich zu schaffen: das MMK in Frankfurt hat, ohne zusätzlicher Mittel von Sponsoren und weiterer Fördergelder einberechnet, diesbezüglich von 2019 bis 2022 nur einen Gesamtrahmen von 525.000 Euro zur Verfügung, den seine Heimatstadt trägt. Zu vermuten, dass Geld keine Rolle spielt, wäre dennoch eine falsche Annahme. Das reiche Investment ist gleichermaßen eine Zukunftsvorsorge für den Tourismus, der sich damit deutlich von den benachbarten Emiraten abheben kann. Konnte das Museum doch alleine im ersten Jahr nach der Eröffnung eine Million Besucher locken.  An großen Namen, die als Publikumsmagneten gelten, es auch keinesfalls. Zu den Neuerwerbungen der letzten Jahre zählen unter anderem „Salvator Mundi“ von Leonardo da Vinci und auch die Liste der Leihgaben liest sich wie das Who is Who der Kunstgeschichte. Anfang 2020 trumpfte man mit einer Kooperation mit dem Centre Pompidou und der Austellung „Rendezvous in Paris: Picasso, Chagall, Modigliani & Co.  (1900-1939)“ auf, dicht gefolgt von „10.000 Jahre Luxus“, die in Zusammenarbeit mit dem Musée des Arts Décoratifs entstanden ist. Noch bis 18. Oktober wird „Furusiyya : Die Kunst des Rittertums zwischen Ost und West“ gezeigt, gefolgt von „Charlie Chaplin: Als Kunst und Kino aufeinander trafen“.

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Schon im Eröffnungsjahr besuchten über eine Million Menschen den Museumstempel. Alleine ob der Architektur zahlt sich das kulturelle Erlebnis aus.

Auf- und Ausbau

Ein Ende des kulturellen Aufwärtstrends ist dabei nicht abzusehen. Die künstlich erweiterte Insel wird bereits jetzt ihrem Anspruch als Kulturbezirk von internationalem Niveau gerecht, soll aber noch weiterwachsen, so ist etwa ein Ableger des Guggenheim Museums ist ebenfalls geplant, allerdings mit bislang noch unbekanntem Eröffnungstermin. Auch von dem Louvre Abu Dhabi sind dabei noch große Beiträge zum Kunstgeschehen zu erwarten, das hierbei richtungsweisend ist. „Der Louvre Abu Dhabi ist das Geschenk der Vereinigten Arabischen Emirate an die Welt“, meint seine Exzellenz Mohamed Al Mubarak, Vorsitzender des Department of Culture & Tourism Abu Dhabi und der Tourism Development and Investment Company. Ein ausgesprochen großzügiges wie man ohne Übertreibung hinzufügen kann.

Fotos: Louvre Abu Dhabi/ Department of Culture and Tourism – Abu Dhabi, „Sword of Duke of Milan“/ Louvre Abu Dhabi, „Salvador Mundi“/  Louvre Abu Dhabi/Kirsty Wigglesworth, Louvre Abu Dhabi/ Mohamed Somji

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