Art & Culture

A Sit Down mit Coco König: Call Me Coco

Wer Coco König in eine Schublade stecken möchte, wird wohl keine finden, die groß genug ist. Denn die vielen Talente der 23-Jährigen sind genauso ausufernd wie ihr Terminkalender. Vorhang auf für Wiens Multitalent.
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Top mit Rollkragen und Lederdetails: Louis Vuitton

Gerade noch in Afrika im türlosen Helikopter über den Abgrund geglitten, sitzt die charismatische Schauspielerin heute im Wiener Studio, um sich später von ihrer Schwägerin, Modefotografin Violetta König, ablichten zu lassen. „Vio ist wie eine Schwester für mich, deshalb ist es umso schöner, mit ihr heute auch professionell zusammenzuarbeiten.“ Violettas Mann, Philip, hat die Jungschauspielerin, die eigentlich Helena heißt, ihren Spitznamen Coco zu verdanken, der ihr dann auch bleiben sollte. „Ich war immer schon die Familienentertainerin. Bereits mit sechs Jahren habe ich ihnen schon Shows vorgeführt. Vio war übrigens auch in meinem Wohnzimmerpublikum“, lacht sie. Während Violetta das Bildkonzept nebenan vorbereitet, wird Coco noch in der Maske zurechtgemacht. Nichts Neues für das weitgereiste Talent, ist sie das Prozedere doch seit ihrem 13. Lebensjahr gewohnt.

Auftakt für ihren Werdegang war ein Abend- essen mit Luc Bondy, der sie für „Die schönen Tage von Aranjuez“ am Wiener Akademietheater engagierte. „Fast alles, was ich über die Schauspielerei weiß, habe ich von Luc gelernt. Er war mein Mentor“, erklärt sie. Die Begeisterung für das Theater hat Coco von ihrer Mutter Barbara bereits mit sieben Jahren mitbekommen, damals wurde sie zum ersten Mal in ein Ibsen-Stück mitgenommen. „Dank meiner Mutter habe ich nie wirklich schlechtes Theater kennengelernt, das hat mir natürlich geholfen, mich an den Besten zu orientieren.“ Es folgten etliche Theaterau üh- rungen neben der schulischen Laufbahn, oftmals auch länderübergreifend. Als die damals 16-jährige König im Schweizer Internat Lyceum Alpinum Zuoz eingeschrieben war, wurde sie eingeladen, in Bondys Inszenierung von Ödön von Horváths „Don Juan kommt aus dem Krieg“ ihre erste große Rolle zu spielen. Dafür musste sie zwischen der Schweiz und Berlin pendeln, später sollten es New York und Hamburg werden, wo Coco die Amalia von Edelreich in Schillers „Die Räuber“ spielte. Ihre Mutter besuchte jede einzelne Aufführung.

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Seidenkleid mit Cut-outs und Rüschendetails, Zimmermann bei Mytheresa.
„Ich wollte nie auf die nächste Rolle warten müssen. Ich wollte immer ein zweites Leben haben.“

Als ein Artikel in einer ungarischen Zeitung über Coco veröffentlich wurde, ist der Regisseur des Films „Shakespeare für Anfänger/The Carer“ auf die Halbungarin aufmerksam geworden und hat ihr eine Hauptrolle angeboten. Mit diesem Engagement wurde die damals 19-jährige König von einem Agenten unter Vertrag genommen und ihre Karriere entwickelte sich in Richtung Film, wo sie auch mit Filmgrößen wie Michael Fassbender in „Assassins Creed“ gespielt hat.

Als Homebase gilt momentan London,  arbeitet sie doch nach dem Bachelor an der NYU in Politikwissenschaften zurzeit gerade an ihrem Master an der LSE. 

Ein zweites Standbein neben der Schauspielerei ist nicht nur der Wunsch der Eltern, sondern auch der eigene: „Ich möchte mich für Themen einsetzen können, die mir wichtig sind.“ Das Studium ermöglicht ihr auch, etwas Sinnvolles zu tun und nicht auf Rollen warten zu müssen. „Vielleicht verschlägt es mich zur UNO, wer weiß das schon“, so Coco. Denn fest steht: Ein zentrales Thema ist für die energiegeladene König gerade Impact Investment. „Sinnstiftend zu handeln ist für mich einfach essenziell. Umso großartiger finde ich, dass ich als Brand Ambassador des #TOGETHERBANDS etwas mithelfen

darf, einen Unterschied zu machen.“ Das englische Unternehmen hat mit farbigen Armbändern die
17 UN-Ziele dargestellt. Der Erlös wird an die jeweiligen karitativen Vereine gespendet, die versuchen, diese Ziele zu erreichen. Größen wie David Beckham oder Allessandra Ambrosio sind neben Coco Ambassadors für das Projekt. Die Armbänder werden in Nepal aus veredeltem Plastik und ausrangierten illegalen Schusswaffen gefertigt und in die Form einer Dosenlasche gegossen. „Der Mensch isst ja jetzt schon das Äquivalent einer Kreditkarte Plastik pro Jahr, ohne es zu wissen. Wir müssen jetzt handeln, nicht später“, appelliert die Schauspielerin.

Um Sinn und Tiefe geht es Coco nicht nur bei modischen Entscheidungen, sondern auch bei der Auswahl ihrer Drehbücher. „Meine amerikanische Agentin selektiert für mich bereits die Drehbücher, die infrage kommen, der Film muss für mich schon eine gewisse Aussage haben.“ Gerade eben wurde der Kurzfilm „To the Boats“ bei den Festivals eingereicht, in dem Coco eine Brextit Gegnerin spielt – eine Rolle, mit der sie sich auch im wahren Leben identifizieren kann. Damit ist die Industriellentochter auch gleich Postergirl für eine ganze Generation an Mädchen, die sich nicht nur für Mode interessieren, sondern viel- mehr für die Bedeutungsebene. 

"Niemand, den ich cool finde, trinkt noch aus Plastik-Cups."

Cocos Lieblingsteil ist zum Beispiel das T-Shirt von Vollebak, das sich innerhalb von wenigen Wochen einfach selbst kompostiert, wenn man es entsorgt.

Nachhaltigkeit ist ohnehin schon längst in der Luxusindustrie angekommen und deshalb widerspricht es sich auch nicht, dass Coco auf dem Cover der Augustausgabe 2017 der japanischen Vogue mit 67 Mode-Millennials wie Charlotte Dellal oder Caro Daur abgebildet wurde, die für Dolce & Gabbana auf dem Laufsteg debütierten.

Damit entspricht Coco genau dem Zeitgeist: jung, relevant, weit gereist und immer auf dem Sprung. Gestern noch auf einer Safari in Afrika, morgen auf dem Red Carpet des Fashion for Relief Charity Events von Naomi Campbell – und von Star-Stylistin Elisabeth Saltzman in Georges Hobeika eingekleidet. Das ist einfach für die adrette Schauspielerin, hat sie mit ihren Model- maßen doch genau die Prototypengröße für die aufwendigen Roben. Ein Umstand, der etwas Abwechslung in ihren Studenten- und Schau- spielalltag bringt, denn diverse Modeljobs, wie zuletzt das Covershooting für die Luxusbeilage der „Financial Times“ – „How to Spend it“ –, finden im dicht gedrängten Kalender auf jeden Fall Platz.

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Taftkleid: Dior/ Schuhe: Jimmy Choo
„Sustainability ist kein Trend mehr, es ist eine Bewegung.“

Coco punktet sowohl vor der Kamera als auch im realen Leben am meisten mit ihrer Natürlichkeit. Generell folgt die junge König wenig allgemeinen Trends oder Stilen „ Mein Kleiderschrank ist ziemlich stark kuratiert und voll mit Erinnerungen, die ich so lange tragen werde, bis sie nicht mehr passen oder mir vom Leib fallen.“ Die Vintage-Chanel-Crop-Tops der Mama trägt die Wienerin mit genauso viel Hingabe wie ihren roten Rock, den sie bei den Aufführungen von Horváths Stück in Berlin trug. Ein wenig Zeitgeist darf es auch sein, also gesellt sich eine Saddle Bag von Dior in den Reiseko er. Für die Red-Carpet- Termine wird Coco von den großen Modehäusern eingekleidet. Termine, die für Coco übrigens auch abseits des Rampenlichts wichtig sind: „ Dort trifft man auch Kollegen, mit denen man sich über das Schauspielerleben austauschen kann und die in einer ähnlichen Situation sind. Oftmals zweifelt man ja auch an seinen Karriere-Entscheidungen, zum Beispiel ob man die richtigen Drehbücher ablehnt oder annimmt. Und dann ist es einfach schön zu wissen, dass man mit diesen Gedanken nicht alleine ist. Und dass es einfach jedem so geht.“

Satinkleid mit Korsettgürtel, Etro.

„Mein Kleiderschrank ist ziemlich stark kuratiert und voll mit Erinnerungen, die ich so lange tragen werde, bis sie nicht mehr passen oder mir vom Leib fallen.“

Produktion: Christoph Steiner

Foto: Violetta König

Styling: Suiqi Luk

Haare & Make-up: Stefanie Lamm-Sui

Location: Studio f6

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